Ins kalte Wasser – pro bono

Am 7. Dezember 2020 erinnert der elektronische Kalender an eine „Teams“ Sitzung. Ein virtuelles Treffen ist anberaumt. Nach und nach finden sich die Teilnehmer zusammen, je mehr Teilnehmer, desto mehr akustische Störungen. Zwei Mentoren, einer davon aus Indien, dazugeschaltet die Fellows der Academy, zum Teil vor Ort im Besprecher, zum Teil vom Homeoffice. Für sie wächst eine zusätzliche Aufgabe heran. Bisher bekannt ist, Schlafsäle der Hospital Training School in Kampala sollen gebaut werden.

Transsolar, vertreten durch die Academy, möchte in Sachen Raumklima dafür beraten, pro bono. Ein erster Modellentwurf liegt vor, er sieht zwei Wohnblöcke vor, die eine teilweise offene Fassade besitzen. Der Gedanke liegt nahe, dass Luftbewegungen möglich sein sollen, dieses Modell hat also bereits Potential für passive Strategien.

Das Designteam entsteht erst, die lokalen Architekten Zero Carbon Designs und der Projektwentwickler von Impact Building Solutions Foundation sind noch "Unbekannte". Auch soll ein ehemaliger Academy Fellow zumindest beratend mit dabei sein. Schade, er hat es ins heutige virtuelle Meeting wohl nicht geschafft, oder hätte man eine andere Plattform als „Teams“ nutzen müssen? Das Team soll in Kürze, also bis Weihnachten aber klar sein.

Was muss man bis dahin wissen? Der genaue Standort mit Höhenlage und Ausrichtung der Gebäude muss geklärt werden. Aus den Wetterdaten von einem Flughafen in einigen Kilometern Entfernung lässt sich ein erster Eindruck des Klimas vor Ort erahnen. Genannt werden 2247 kWh/m² Sonneneinstrahlung auf eine horizontale Fläche im Jahr. Das ist viel, mehr als das Doppelte unserer Region.
Für die Lufttemperatur werden Tageshöchstwerte von 29,2°C genannt, in Verbindung mit der Sonneneinstrahlung besteht für ein ungeschütztes Gebäude die Gefahr der Überhitzung. Wie kann man das vermeiden? Und nicht nur auf das Dach, auch die Sonneneinstrahlung auf die Fassade muss beachtet werden. Welche Seiten der Gebäude erreicht die Sonne? Die Ausrichtung der Blocks muss also vorrangig geklärt werden.
Weitere Fragen tauchen auf: Welches Raumklima erwartet der Kunde? Braucht man aktive Kühlung? Besteht die Möglichkeit, mit Luftbewegung zu kühlen, zum Beispiel durch Querlüftung? Kann es nachts womöglich zu kalt werden? Wie stark weht der Wind und kommt er aus einer bevorzugten Richtung? Was machen die Nutzer in den Räumen? Weht es ihnen bei offenem Fenster Unterlagen vom Tisch? Wie sieht es mit der Luftfeuchte aus? Und wie verhält es sich mit Regen?

Jeder hat etwas beigetragen oder Fragen aufgeworfen, für die man erst später Antworten wird finden können. Fellow Ana hat kräftig protokolliert. Wie geht es jetzt weiter? Jeder wird – vielleicht gleich in ein gemeinsames Dokument – seine Gedanken festhalten bis in zwei Tagen und an die "Pilotin" Michelle zur Aufbewahrung schicken. Der weitere Zeitablauf wird sich ähnlich straff gestalten wie bei Wettbewerben. Das Designteam soll noch vor Weihnachten gebildet sein. Nach Weihnachtspause und Jahreswende müssen regelmäßige wöchentliche Workshops stattfinden. Der Entwurf soll bis Ende März entwickelt sein.

Die Fellows tragen nun Verantwortung. Ihnen ist gewissermaßen die Navigation übertragen, sie müssen ermitteln, welchen Weg sie einschlagen. Die erfahrenen Transsolarier leiten also nicht, sie bleiben aber als Piloten an Bord. Auf Anfrage erhalten die Academy Fellows Unterstützung. Bei begrenztem Zeitbudget, obendrein zu den Aufgaben, die sie bislang schon bearbeiten liegt nun alles bei ihnen: Teambildung, ermitteln der Daten, beantworten der Fragen, Ausarbeitung der Ideen, termingerechtes Handeln usw.
Wie ein Sprung ins kalte Wasser, aber um Gutes zu tun.

– Fortsetzung folgt

Design / Planung: Zero Carbon Designs
Hersteller von klimafreundlichem Baumaterial / Projektentwickler: Impact Building Solutions Foundation