Gute Luft braucht nicht immer ein Übermaß an Technik. In diesem aktuellen Beitrag im Fachmagazin nbau wird erörtert warum natürliche Lüftung am Beispiel im Schulbau oft die robustere Lösung darstellt. Die Autoren Thomas Auer, Felix Thumm und Martin Gabriel (ENIANO GmbH, München) zeigen, dass der historische Grenzwert von 1000 ppm zwar tief in der Gebäudetechnik verankert ist, seine Einhaltung in Schulen aber enorme technische Aufrüstung, hohe Kosten und intensive Wartung erfordert. Gleichzeitig belegen Studien, dass die subjektive Wahrnehmung von Luftqualität häufig nicht mit CO₂‑Messwerten übereinstimmt: Maschinell belüftete Räume gelten trotz niedriger Werte oft als „stickig“, während natürlich gelüftete Klassen mit deutlich höheren Konzentrationen als angenehm empfunden werden.
Der Artikel ordnet ein, dass CO₂ im üblichen Innenraumbereich keine toxikologische Relevanz besitzt. Es zeigt lediglich an, wie viele Menschen im Raum sind und wie gut gelüftet wird. Andere entscheidende Faktoren wie VOC‑Emissionen aus Materialien, Feinstaub oder Gerüche werden durch CO₂‑Messungen nicht erfasst. Hinzu kommt: Viele Sensoren sind ungenau, driften mit der Zeit oder messen gar kein echtes CO₂ – was in Schulen regelmäßig zu Fehlinterpretationen führt. Der oft zitierte 1000‑ppm‑Wert ist daher vor allem ein Komfortrichtwert, keine medizinische Grenze.
Mechanische Lüftungssysteme mit CO₂‑gesteuerter Regelung (DCV) gelten als energieeffizient, funktionieren in der Praxis aber häufig nicht wie geplant. Sensoren müssen regelmäßig kalibriert werden, was im Schulalltag selten passiert. Fehlmessungen führen zu Fehlregelungen, höherem Energieverbrauch und einem sogenannten Performance‑Gap: Die versprochenen Einsparungen bleiben aus, während Wartung und Betriebskosten steigen. Jede zusätzliche technische Komponente erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit von Störungen.
Die Autoren plädieren dafür, im Schulbau stärker auf natürliche Lüftung, schadstoffarme Materialien und einfache Bedienbarkeit zu setzen. Maschinelle Lüftung sei nur in speziellen Fällen notwendig. In vielen Schulen könne die Verantwortung für die Luftqualität den Nutzern übertragen werden – vorausgesetzt, das Gebäude ist baulich gut geplant. Natürliche Lüftung sei nicht immer perfekt, aber nachhaltig, kostenschonend und oft näher an dem, was Nutzer tatsächlich als „gute Luft“ empfinden.