Denkmalgerechte Instandsetzung der Altstädter Schule von Otto Haesler, Celle, Deutschland
Die Stadt Celle hat die denkmalgerechte Instandsetzung der Altstädter Schule von Otto Haesler eingeleitet. Im Team mit den Architekten wurde das Gebäude analysiert und im Zusammenspiel der unterschiedlichen Fachdisziplinen ein substanzschonendes Konzept entwickelt, dessen Ziel war, mit möglichst wenigen Eingriffen das Gebäude für die Zukunft zu ertüchtigen.
Holzkastenfenster, wie sie ursprünglich eingebaut waren, sind ein wesentlicher Bestandteil der denkmalgerechten Instandsetzung und des Energiekonzeptes der „Glasschule”. Sie verwirklichen die Idee der Bauhausbewegung, mehr Licht ins Gebäude zu bringen, ohne die Probleme der Einfachverglasung und der Stahlrahmen mit kalten Flächen und Kondensation. Die originalen Fenster der Schule wurden jedoch in den 70er/80er Jahren „modernisiert”. Holzkastenfenster geben dem Gebäude viel Identität zurück, denn die Fenster dominieren die Fassade der Altstädter Schule und sind ihr Gesicht.
Vor Beginn der Sanierung wurde das Gebäude prototypisch energetisch untersucht. Dafür erhielt im Zuge eines Bundesstiftung Umwelt Förderprojektes ein Klassenraum im zweiten OG an der Westfassade eine Fassade mit neue Kastenfenster. Transsolar entwickelte mit den Architekten von Spital-Frenking Schwarz ein auf dem Originalkonzept von Otto Haesler basierendem Konzept eine Weiterentwicklung der Fassade und erfasste über ein Jahr lang den Raum messtechnisch und verglich ihn mit einem Bestandsraum.
Ein weiterentwickeltes Kastenfenster mit minimierter Isolierverglasung innen und einer Einfachverglasung aussen ermöglicht das Unterbringen von Blend- und Sonnenschutz im Zwischenraum, abgeschirmt von Wind und Wetter. Dies ermöglicht dem «Kasten», die Wärme der Sonneneinstrahlung, die solaren Gewinne, im Winter zur Vortemperierung der Zuluft zu nutzen, denn die Strahlen auf den Sonnen-/Blendschutz erzeugen ein Wärmekissen im Zwischenraum.
Öffnet man einen Flügel der äußeren Verglasung im unteren Bereich sowie einen im oberen Bereich der inneren Verglasung, so strömt frische Luft vorgewärmt in den Klassenraum. Der geschlossene Sonnenschutz muss dafür unten und oben entsprechende Zwischenräume besitzen, um ausreichende Durchströmung zu gewährleisten. Die einseitige Fensterlüftung mit Zu- und Abluft über das Kastenfenster reduziert zwar die Lüftungseffizienz, erlaubt aber in der Winterstellung eine Vorwärmung der Frischluft. Dadurch ist auch bei Außentemperaturen von 0 °C ein zugfreies, natürliches Lüften möglich, wie die Messungen belegen.
Zur Belüftung im Sommer werden zusätzlich die Öffnungsflügel nach innen nur im unteren Bereich betätigt, damit die Außenluft direkt einströmt, ohne durch die solaren Gewinne zu überhitzen. Vom begrenzten Wärmestau in der Fassade trotz geöffneter Aussenklappen ist im Raum nichts zu spüren. Das Material der Rollos besitzt eine Resttransparenz, die auch im geschlossenen Zustand Sichtverbindung nach außen gewährleistet. Dank beidseitiger low-e Beschichtung mindert der Sonnenschutz auch Transmissionswärmeverluste im Winter, wenn er nachts geschlossen bleibt.
Eine Steuerung schließt die Rollos automatisch nur bei direkter Einstrahlung auf die jeweilige Fassade - oder manuell auf Wunsch. Auch bei geschlossenem Sonnenschutz ist Tageslichtnutzung möglich, besonders in Verbindung mit einem hellen Deckenanstrich.
Eine CO2-Ampel im Klassenraum signalisiert, wenn der Kohlendioxid-Gehalt in der Luft zu hoch ist und gelüftet werden muss. Mit einer CO2-abhängigen Klappensteuerung bleibt ein Klassenzimmer bei einer typischen Belegung von 20 Schülern und einer Lehrkraft ausreichend natürlich be- und entlüftet bei maximal 1100 ppm CO2 am Ende der Unterrichtsstunde. In der Winterstellung mit reduzierter Fassadendurchlüftung auf Grund der geschlossenen oberen äußeren Fassadenklappe kann die maximale CO2-Konzentration 1400 ppm erreichen, aber Stoßlüften während der Pausen ermöglicht einen guten Start der nächsten Unterrichtsstunde.
Die Messungen von Transsolar zeigen, dass das weiterentwickelte Kastenfenster Otto Haeslers Idee von viel Tageslicht bei gleichzeitig hohem Komfort auch auf die Lüftung überträgt. Es ermöglicht eine effektive Vortemperierung der Zuluft im Winter und sorgt ganzjährig für komfortable Raumtemperaturen.