Umbau des "Estadio Santiago Bernabéu", Madrid
Die umfassende Sanierung des Estadio Santiago Bernabéu, Heimat von Real Madrid, transformiert eine ikonische Sportstätte aus dem Jahr 1947 in ein zeitgemäßes, multifunktionales Stadion – geprägt durch eine neue Edelstahlfassadenhülle und ein hochkomplexes bewegliches Dach sowie die bauliche und funktionale Weiterentwicklung des Innenraums. Dazu zählen die Erweiterung der Zuschauerkapazität auf rund 82.000 Plätze, ein verfahrbarer Rasen, ein umlaufender 360 Grad Videoscreen sowie neue Gastronomie und Servicebereiche. Tragwerk und Dach stellen dabei zentrale konstruktive und klimatische Elemente des Entwurfs dar.
Transsolar unterstützte das Planungsteam in der frühen Konzeptphase mit klima- und komfortbezogenen Analysen. Grundlage bildete zunächst die Auswertung der lokalen Klimadaten, um die standortspezifischen Bedingungen im Sommer und Winterfall zu verstehen. Darauf aufbauend wurde der Einfluss der neuen Dachkonstruktion auf Tageslichtverhältnisse, Durchlüftung, solare Einstrahlung und thermische Bedingungen im Stadion untersucht.
Mithilfe thermischer Simulationen wurde der Zuschauerkomfort für kritische Sommer und Winterszenarien bewertet. Dabei wurden sowohl Situationen mit geöffnetem als auch mit geschlossenem Dach betrachtet. Ein besonderer Fokus lag auf dem Zusammenspiel von Dachöffnung, solarem Eintrag und Luftaustausch im Stadionvolumen. Ergänzend wurde für den Winterfall die Wirkung lokaler Komfortmaßnahmen wie Heizstrahler analysiert.
Strömungssimulationen, mit Hilfe von CFD-Modellen, dienten der Plausibilisierung der Wind und Luftströmungsverhältnisse im Stadion. Untersucht wurde insbesondere, wie sich das verschließbare Dach auf die Durchlüftung und die thermische Behaglichkeit im Zuschauerbereich auswirkt. Die Simulationen zeigen, dass durch das Schließen des Daches im Winter kalte Windströmungen und damit verbundene Zugerscheinungen deutlich reduziert werden können. Im Sommer hingegen lässt sich bei geöffnetem Dach eine ausreichende natürliche Belüftung erzielen, die zu einer vergleichsweise gleichmäßigen Temperaturverteilung ohne Wärmestau im Stadioninneren beiträgt.
Das Projekt verdeutlicht, wie klimaorientierte Simulationen bei hochkomplexen Großbauten dazu beitragen können, architektonische, konstruktive und nutzungsbezogene Anforderungen frühzeitig miteinander abzustimmen. Die Arbeiten von Transsolar lieferten damit eine belastbare Grundlage für Entwurfsentscheidungen im Spannungsfeld von Komfort, Klima und Funktionalität.