Kurzzeitmessung und Sanierung Südfassade Wesertower, Bremen, Germany

Der Wesertower in Bremen steht exemplarisch für die Herausforderung hochverglaster Bürogebäude mit Südausrichtung: Hohe Tageslichtqualitäten gehen häufig mit erhöhten solaren Wärmelasten und steigendem Kühlenergiebedarf einher. Ziel des Projekts war es, den thermischen Komfort nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig den Energiebedarf zu reduzieren.

Im Rahmen einer Kurzzeitvermessung untersuchte Transsolar die Wirkung einer hybriden ACT‑Fassade an der Südfassade des Gebäudes. Ein Messraum im 6. Obergeschoss wurde mit der neuen Fassadenlösung ausgestattet und mit einem baugleichen Referenzraum mit bestehendem innenliegendem Sonnenschutz verglichen. Beide Räume verfügen über identische Grundflächen, Fassadenanteile und Orientierung. Der Messzeitraum erstreckte sich von Anfang Dezember 2022 bis Anfang März 2023 und umfasste sowohl winterliche Bedingungen als auch Perioden mit hoher solarer Einstrahlung.

Die Ausgangssituation war geprägt durch außer Betrieb befindlichen außenliegenden Sonnenschutz und einen innenliegenden Blendschutz als Zwischenlösung. Dies führte insbesondere bei tief stehender Sonne zu einer deutlichen Überhitzung der Südfassadenräume sowie zu einem hohen Kühlenergiebedarf. Die ACT‑Fassade kombiniert solaren Hitzeschutz mit dezentraler Lüftung und reduziert damit solare Lasten bei gleichzeitig kontrolliertem Luftwechsel.

Transsolar begleitete das Projekt mit der Planung, Durchführung und Auswertung der Messkampagne sowie dem Abgleich der Messergebnisse mit zuvor erstellten thermischen Simulationen. Erfasst wurden unter anderem Luft‑ und operative Temperaturen, Oberflächen‑ und Scheibentemperaturen, solare Einstrahlung auf Fassadenebene sowie Luftvolumenströme. Ergänzend wurden meteorologische Daten auf dem Dach des Gebäudes erhoben.

Die Messungen bestätigen die Simulationen eindeutig: Die ACT‑Fassade reduziert sowohl die operative Temperatur als auch die Lufttemperatur im Messraum bei solarer Einstrahlung um bis zu 4 K gegenüber dem Referenzraum. Dies gilt sowohl für Perioden mit diffuser als auch mit hoher direkter Einstrahlung im Winter und Frühjahr. Neben der deutlichen Verbesserung des thermischen Komforts ergibt sich dadurch eine spürbare Reduktion des Kühlenergiebedarfs.

Zusätzlich machten die Messdaten Optimierungspotenziale im Anlagenbetrieb sichtbar. So konnte eine fehlerhafte Regelung der Zuluft‑Solltemperatur identifiziert werden, die in den Nachtstunden zu unnötigem Energieverbrauch führte, ohne den Komfort tagsüber nachhaltig zu verbessern.

Der Wesertower zeigt, wie durch die Kombination aus Simulation, Messung und gezieltem Fassaden‑Retrofit belastbare Aussagen zur Wirkung klimaorientierter Maßnahmen im Bestand getroffen werden können. Das Projekt steht exemplarisch für die Haltung von Transsolar, Komfort, Energieeffizienz und Betriebssicherheit integral zu betrachten und Lösungen zu entwickeln, die nicht nur rechnerisch, sondern auch im realen Betrieb wirksam sind.